Implantate im Unterkiefer unterscheiden sich in einigen Punkten vom Einsatz im Oberkiefer. Die anatomischen Gegebenheiten sorgen für besondere Vorteile, stellen aber auch bestimmte Anforderungen. Unter anderem profitiert der Unterkiefer von seiner höheren Knochendichte, was eine schnelle Einheilung begünstigt – allerdings verläuft im Unterkiefer auch ein wichtiger Nerv, den es bei der Implantation zu schützen gilt. In diesem Abschnitt beleuchten wir, warum die Einheilzeit im Unterkiefer oft kürzer ist, welche Risiken speziell bei Unterkiefer-Implantaten beachtet werden müssen und wie durch rechtzeitige Implantation einem Knochenabbau entgegengewirkt werden kann. So erkennen Sie die besonderen Eigenschaften von Implantaten im Unterkiefer und wissen, worauf es dabei ankommt.
Beim Unterkiefer-Implantat ist besondere Vorsicht geboten, da im hinteren Unterkiefer der sogenannte Unterkiefernerv verläuft. Dieser Nerv (Nervus mandibularis) versorgt das Gefühl in Unterlippe und Kinn. Wird er bei der Implantation verletzt oder gereizt, kann dies zu Taubheitsgefühl oder Kribbeln führen – im schlimmsten Fall sogar dauerhaft. Dank moderner 3D-Bildgebung und sorgfältiger Planung lässt sich dieses Risiko heute jedoch auf ein Minimum reduzieren. Der Implantologe bestimmt vorab den genauen Verlauf des Nervkanals im Kieferknochen und wählt die Implantatlänge so, dass ein sicherer Abstand eingehalten wird. Da der Kieferknochen nach Zahnverlust schrumpft, rückt der Nerv im Laufe der Zeit näher an die Kieferoberfläche. Eine frühzeitige Implantation ist daher empfehlenswert, um ausreichend Knochensubstanz und Abstand zum Nerv zu bewahren.
Fehlen über längere Zeit Zähne, bildet sich der Kieferknochen zurück. Wrum es zu diesem Knochenschwund kommt und wie ein Knochenaufbau (Knochenaugmentation) im Unterkiefer durchgeführt wird, falls für Implantate zu wenig Knochensubstanz vorhanden ist.
Wird ein Zahn gezogen oder geht verloren, fehlt dem Kieferknochen der gewohnte Kaudruck. Ohne diese natürliche Belastung bildet sich der Knochen allmählich zurück (Knochenatrophie). Im Unterkiefer kann dieser Abbau besonders schnell voranschreiten – vor allem, wenn eine Zahnprothese nicht optimal sitzt und den Kiefer ungenügend belastet. Die Konsequenzen zeigen sich oft in einer veränderten Gesichtsform (eingefallene Wangen) und lockeren Prothesen, da der Kiefer an Höhe und Breite verliert. Genau hier setzen Implantate im Unterkiefer an: Durch die Übertragung der Kaukraft in den Knochen regen sie den Erhalt des Knochens an und beugen weiterem Abbau vor.
Ist bereits viel Knochensubstanz verloren gegangen, kann ein Knochenaufbau notwendig werden, um Implantate stabil verankern zu können. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Verfügung: Häufig wird ein Knochenersatzmaterial oder eigenes Knochengewebe (z.B. aus dem Kieferwinkel) in den geschrumpften Kieferbereich eingebracht. Dieses Material regt den Körper an, neuen Knochen zu bilden und schafft wieder eine ausreichende Höhe und Breite des Kieferkamms. Je nach Ausgangsbefund kann der Knochenaufbau einige Monate vor der Implantation erfolgen oder in bestimmten Fällen gleichzeitig mit dem Setzen des Implantats. Moderne Behandlungskonzepte wie All-on-4 kommen manchmal sogar ganz ohne vorherigen Knochenaufbau aus, indem Implantate schräg in noch vorhandene Knochenbereiche eingesetzt werden.
In der Implantologie hat sich Titan als Material seit Jahrzehnten bewährt, doch es stehen inzwischen auch Keramikimplantate als metallfreie Alternative zur Verfügung. Im Unterkiefer kommen beide Varianten zum Einsatz – nachfolgend ein kurzer Vergleich ihrer Eigenschaften:
Titan-Implantate gelten weltweit als Goldstandard. Das Metall Titan ist extrem stabil und zugleich biokompatibel (bioverträglich). Es verwächst nach der Implantation fest mit dem umgebenden Knochen – eine Eigenschaft, die zu hohen Einheilungsquoten führt. Im Unterkiefer kann die hohe Festigkeit des Titans ihre Vorteile ausspielen: Selbst die starken Kaukräfte im Seitenzahnbereich werden langfristig sicher getragen. Titan besitzt zudem eine Oxidschicht, an der Knochenzellen gut anlagern können. Allergische Reaktionen auf Titan sind außerordentlich selten, sodass dieses Material in den meisten Fällen bedenkenlos eingesetzt werden kann.
Keramikimplantate bestehen aus Zirkondioxid, einem Hochleistungs-Keramikwerkstoff. Ihre große Stärke liegt in der Ästhetik: Keramik ist zahnfarben und verhindert dunkle Schimmer durch das Zahnfleisch. Zudem sind Keramikimplantate metallfrei – ein Vorteil für Patienten mit Metallallergien oder dem Wunsch nach einer ganzheitlichen, antiallergenen Versorgung. In puncto Biokompatibilität stehen moderne Keramiken dem Titan kaum nach; das umliegende Zahnfleisch reagiert in der Regel sehr gut auf die glatte Keramikoberfläche. Zu beachten ist, dass Keramik etwas spröder als Titan ist. Die Anwendung erfordert eine sorgfältige Planung, damit das Implantat im Unterkiefer nicht überlastet wird. Die Langzeiterfahrungen mit Keramikimplantaten wachsen kontinuierlich, doch Titan bleibt aktuell der Standard mit den längsten Erfolgsgeschichten.
Eine gründliche Planung ist das A und O für eine sichere Implantation im Unterkiefer. Heutzutage stehen dazu modernste 3D-Technologien bereit: Mit der Digitalen Volumentomografie (DVT) erstellen wir ein dreidimensionales Röntgenbild des Kiefers. Darauf lassen sich der Kieferknochen, der Verlauf des Unterkiefernervs und alle wichtigen Strukturen millimetergenau erkennen. Am Computer kann der Implantologe die Position und Ausrichtung des Implantats virtuell planen, noch bevor der eigentliche Eingriff erfolgt. Oft wird eine passgenaue Bohrschablone angefertigt, die während der OP eingesetzt wird und die exakte Stelle und Tiefe für das Implantat markiert. Diese navigierte Implantation erhöht die Sicherheit, vermeidet Verletzungen von Nerven oder benachbarten Zähnen und verkürzt in vielen Fällen die Behandlungsdauer. Durch die präzise Planung kann das Implantat im Unterkiefer minimalinvasiv gesetzt werden, was die Wundheilung begünstigt.
Wie läuft eine Implantat-Behandlung im Unterkiefer konkret ab? Hier die wesentlichen Schritte von der Vorbereitung bis zum Abschluss der Behandlung im Überblick:
Zuerst erfolgt eine umfassende Untersuchung und Beratung. Wir prüfen den Zustand Ihres Unterkieferknochens und erstellen Röntgenaufnahmen (bzw. ein 3D-DVT). Anhand dieser Daten plant der Zahnarzt die optimale Position des Implantats. Falls ein Knochenaufbau erforderlich ist, wird dieser Schritt mit eingeplant. In dieser Phase werden auch Abdrücke oder 3D-Scans genommen, um später passgenauen Zahnersatz anfertigen zu können. Sie erhalten zudem alle Informationen zum Ablauf, zur Betäubung und zur Nachsorge, damit Sie gut vorbereitet in die Behandlung gehen.
Am Behandlungstag wird das Implantat unter sterilen Bedingungen und Betäubung gesetzt. Zunächst betäuben wir die entsprechende Stelle im Unterkiefer lokal, sodass der Eingriff schmerzfrei ist. Anschließend bereitet der Zahnarzt den Kieferknochen minimalinvasiv vor: Mit speziellen Instrumenten oder Bohrschablone wird eine passgenaue Öffnung für das Implantat geschaffen. Die Implantatschraube (aus Titan oder Keramik) wird vorsichtig in den Knochen eingebracht. Häufig kann das Zahnfleisch mit wenigen selbstauflösenden Fäden wieder verschlossen werden. Der Eingriff dauert pro Implantat meist weniger als eine Stunde. Danach können Sie sich kurz ausruhen und verlassen die Praxis in der Regel am selben Tag. Leichte Schwellungen oder Wundschmerzen sind normal, lassen sich aber gut mit Kühlung und Schmerzmitteln beherrschen. Bei größerer Angst kann der Eingriff auf Wunsch auch im Dämmerschlaf (Sedierung) oder unter Vollnarkose durchgeführt werden, sodass Sie nichts davon spüren.
Speziell im zahnlosen Unterkiefer stellen Implantate oft die beste Lösung für einen festen Zahnersatz dar. Klassische Vollprothesen haben in diesem Kiefer häufig Probleme mit dem Halt und verursachen Druckstellen. Moderne Implantatlösungen können hier die Lebensqualität deutlich steigern, indem sie einen rutschfesten, belastbaren Zahnersatz ermöglichen. Im Folgenden zeigen wir Konzepte, mit denen Sie auch bei völligem Zahnverlust im Unterkiefer wieder feste Zähne erhalten – von All-on-4 Brücken an einem Tag bis zu Mini-Implantaten zur Prothesen-Stabilisierung.
Das All-on-4®-Konzept ermöglicht es, einen völlig zahnlosen Unterkiefer mit nur vier Implantaten und einer darauf fixierten Brücke zu versorgen. Patienten erhalten so in kürzester Zeit wieder feste dritte Zähne. Wie läuft diese Methode ab und welche Vorteile bietet sie?
Beim All-on-4-Prinzip werden meist zwei Implantate im vorderen Unterkiefer gerade eingesetzt und zwei weitere im hinteren Bereich schräg abgewinkelt eingebracht. Durch diese spezielle Anordnung können auch Bereiche mit weniger Knochen genutzt und der Nerv umgangen werden – ein aufwändiger Knochenaufbau ist in der Regel nicht nötig. Falls noch lockere Restzähne vorhanden sind, werden diese in derselben Sitzung entfernt. Anschließend positioniert der Implantologe die vier Implantate strategisch so, dass sie die Last einer kompletten Brücke tragen können. Noch am selben Tag erhält der Patient eine provisorische feste Brücke, die auf den Implantaten verschraubt wird. So verlässt man die Praxis bereits mit festsitzenden Zähnen und kann wieder lächeln und vorsichtig zubeißen.
Ein vollständig zahnloser Unterkiefer mit einer klassischen Vollprothese stellt viele Patienten vor Probleme. Doch selbst wenn man keinen festsitzenden Zahnersatz möchte, können Implantate genutzt werden, um einer herausnehmbaren Prothese deutlich mehr Halt und Komfort zu verleihen. Warum sitzen Unterkiefer-Prothesen so oft schlecht und wie lässt sich das mit Implantaten verbessern?
Ein zahnloser Unterkiefer ist berüchtigt dafür, dass die Vollprothese dort besonders schlecht hält. Das liegt zum einen an der Anatomie: Im Gegensatz zum Oberkiefer fehlt die große Auflagefläche mit Saugwirkung, eine Unterkiefer-Prothese muss auf dem schmaleren Kieferkamm balancieren. Zudem bewegt sich die Zunge und löst leicht die Haftung. Durch den fortschreitenden Kieferknochenabbau wird der Halt mit der Zeit immer schlechter – die Prothese „klappert“ beim Sprechen oder Essen. Folge sind häufig Druckstellen, Unsicherheit beim Kauen und der Griff zur Haftcreme als Notlösung. Viele Betroffene berichten, dass sie mit einer unteren Vollprothese nur eingeschränkt essen und sprechen können.
Schon mit zwei Implantaten lässt sich der Halt einer Unterkiefer-Prothese dramatisch verbessern. Die Implantate dienen als feste Verankerungspunkte im Kiefer. Auf ihnen werden spezielle Attachments (z.B. Kugelkopfanker oder Stege) befestigt, an denen die Prothese einrastet. Statt lose auf dem Kiefer aufzulegen, ist die Prothese dann an den Implantaten fixiert und bleibt auch beim Essen und Sprechen stabil. Druckstellen und das ständige Verrutschen werden deutlich reduziert. Zudem entfällt die Notwendigkeit von Haftcreme weitgehend. Durch die Übertragung der Kaukräfte auf die Implantate wird der Kieferknochen weiterhin stimuliert, was einem schnellen Knochenabbau entgegenwirkt. Insgesamt gewinnen Patienten mit implantatgetragenem Zahnersatz im Unterkiefer ein enormes Plus an Lebensqualität und Sicherheit im Alltag.
Mini-Implantate sind besonders schlanke Implantatstifte (ca. 2 mm Durchmesser), die sich ideal eignen, um einer Unterkiefer-Prothese Halt zu geben, wenn für normale Implantate wenig Knochen zur Verfügung steht. Sie können minimalinvasiv, oft ohne große chirurgische Schnitte, eingesetzt werden. In der Regel werden 4 bis 6 Mini-Implantate im Kiefer verteilt, auf denen die vorhandene oder eine neue Prothese verankert wird. Hierzu besitzen Mini-Implantate kleine Kugelkopf-Verankerungen: Die Prothese rastet mit passenden Gummiringen darauf ein („Druckknopf-Prinzip“). Der Vorteil: Die Prothese sitzt sofort deutlich fester, ist aber weiterhin zum Reinigen herausnehmbar. Da Mini-Implantate weniger invasiv sind, ist die Heilung meist unkompliziert und der Eingriff auch für ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Patienten gut verträglich. Bei richtiger Pflege und regelmäßiger Kontrolle weisen Mini-Implantate ähnlich hohe Erfolgsraten auf wie Standardimplantate. Sie eignen sich primär zur Prothesen-Stabilisierung; für fest verschraubte Brücken werden üblicherweise reguläre Implantate benötigt.
Sie möchten wissen, ob Implantate im Unterkiefer auch für Sie infrage kommen? Wir von der Zahnarztpraxis Sachsentor in Hamburg-Bergedorf beraten Sie gern persönlich. Vereinbaren Sie jetzt einen Termin – für ein Leben mit sicherem Biss und neuem Lächeln!